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Campingbus-Leben: Probleme und Lösungen

Wenn du lange mit dem Campingbus unterwegs bist und Campingplätze oder Wohnmobilplätze vermeiden möchtest, tauchen unweigerlich organisatorische Probleme auf, die gelöst sein wollen. Wie mache ich das mit dem Strom. Woher bekomme ich Wasser für den Tank. Wo kann ich duschen und Wäsche waschen. Wie komme ich ins Internet.

Hier erfährst du, wie ich das so gelöst habe. Vielleicht ist ja der eine oder andere brauchbare Tipp für dich dabei.

Die Stromversorgung

Mein Camper hat eine Starter- und eine Bordbatterie unter der hinteren Sitzbank. Die Bordbatterie versorgt die Innenbeleuchtung, den Kühlschrank und die 12V-Steckdosen. Sie lädt sich durch den Anschluss an einen Stromversorger oder während der Fahrt. Das bedeutet, ich muss auf einen Stellplatz, der mir einen Stromanschluss zur Verfügung stellt oder ich kann nicht lange an einem Ort bleiben.

Im Stand hält die Batterie bei mir zwei Tage, dann heißt es weiterziehen. Das war auf meiner EU-Rundreise kein großes Problem, da ich große Strecken zurücklegte und sowieso nie lange an einem Ort verweilen konnte. War mir nach einer längeren Pause zumute, musste ich in den saueren Apfel beißen und mir einen Platz mit Stromversorgung suchen.

Für meine neuen Reisepläne ist das aber keine Lösung, weil ich mir mit mehr Muse reisen möchte und, wenn es mir gut gefällt, auch mal länger an einem Ort im Irgendwo bleiben will. Als ich vor kurzem eine Tour an die Ostsee vorzeitig abbrechen musste, da in der Vorsaison noch alle Camping- und WoMo-Stellplätze Winterschlaf hielten, war klar: Solar muss her.

Mein technikversierter Ex erklärte sich bereit, mir die Solaranlage einzubauen. Falls dich der Einbau interessiert, kannst du hier mehr erfahren. Die Testphase ist vorbei, die Anlage tut, was sie soll und ich kann endlich autark reisen.

Die Wasserversorgung

Um den sparsamen Umgang mit Wasser zu lernen, ist eine lange Reise mit dem Ford Nugget eine gute Sache. Der Tank fasst magere 40 Liter, die schnell verbraucht sind. Bei einer kurzen Urlaubsreise, auf den für Touristen optimierten Pfaden, stellt sich das Problem meist nicht. Aber wer, wie ich, abseits reist, kann schon mal verzweifeln. Ständiges Umdenken ist Pflicht, da jedes Land andere Voraussetzungen bietet. Versorgungsstationen gibt es oft gar nicht oder sie sind sehr gut versteckt. An Norwegen habe ich sehr gute Erinnerungen. Dort gibt es die Tommestasjon. Zentral gelegen und im Vorbeifahren gut erkennbar, Wasserzapfstelle und Entsorgungsanlage für Abwasser und Fäkalientank. Was will frau mehr :-).

Tommestasjon in Norwegen

Wo findest du Wasser?

Tankstelle: Tankstellen haben meist einen Wasseranschluss und erlauben dir, manchmal gegen einen kleines Entgelt oder Spende in die Kaffeekasse, Wasser zu zapfen. In besonders wohnmobilreichen Gegenden verweigert aber durchaus die eine oder andere Tanke die Entnahme.

Hafen: In den kleineren Häfen finden sich oft für den Campingbus zugängliche Wasserzapfstellen. Und wie gehabt, über eine kleine Spende freut man sich auch dort.

Quellen und Brunnen: Vor allem in Südeuropa, wo es sehr heiß wird im Sommer, finden sich öfters Quellen und Brunnen mit Trinkwasserqualität am Straßenrand.

Ent- und Versorgestationen auf Wohnmobilstellplätzen: Infos darüber findest du im Internet oder z.B. im Stellplatzführer des ADACs. Die Angaben aus beiden Quellen sind mit etwas Vorsicht zu genießen, da öfters nicht auf dem neuesten Stand.

Campingplätze: Gegen ein kleines Entgelt erlauben dir die meisten Betreiber, die campingplatzeigene Ent- und Versorgestation zu nutzen, auch wenn du nicht auf dem Platz bleiben willst.

Supermärkte: Besonders im ost- und südeuropäischen Raum kannst du in den Supermärkten für wenig Geld große Trinkwasser-Kanister kaufen. Das ist zwar nicht die praktischste und umweltfreundlichste Lösung, aber wenn es gar nicht anders geht.

Privat oder Firmen: Beim Fahren immer schön die Augen offen halten. Besonders in landwirtschaftlichen Regionen mit Bauernhöfen oder in Gewerbegebieten, findet sich das eine oder andere Gebäude mit einem Wasseranschluss außen. Einfach mal freundlich fragen, wenn man zufällig jemanden sieht. Meist ist dann noch ein netter Plausch inklusive.

brunnen_griechenland

Das solltest du dabei haben

Wie ärgerlich. Endlich Wasser gefunden und der Anschluss passt nicht. Deshalb solltest du folgendes unbedingt dabei haben.

Gartenschlauch mit Connector: Ein nicht zu kurzes Stück ganz normaler Gartenschlauch. Nicht immer kannst du direkt an die Zapfstation fahren. Der Schlauch sollte also lange genug sein.

Hahnverbindungen: Ich habe zwischenzeitlich die drei gängigsten Größen im Gepäck und alle schon gebraucht. Meist genügt die 24,5mm-Verbindung. Aber eben nicht immer.

Übergangsschlauchstück mit Kupplung: Falls der Anschluss der Wasserstation nicht auf deine Hahnverbindungen passt. Gibt es ebenfalls in unterschiedlichen Größen. Ich habe nur eines, weil ich es bisher noch nie gebraucht habe. Aber dabei ist es trotzdem, man weiß ja nie.

Gießkanne: Ganz wichtig. Wenn es Wasser gibt, aber keine Möglichkeit, den Schlauch anzuschließen oder der Camper nicht nahe genug geparkt werden kann.

Einfülltrichter mit Siebeinsatz: Benutze ich fast immer, wenn ich Wasser einfülle. Damit sich keine Fremdteile in meinen Wassertank verirren. Sehr sinnvoll, wenn man Wasser aus einem Brunnen holt.

Und noch ein Tipp. Oft ist ein Schlauch an der Entnahmestation bereits vorhanden. Schließe vorsorglich deinen eigenen an. Der eine oder andere Wassernehmer nutzt den vorhandenen auch zum Ausspülen seines Fäkalientanks oder sonstwas. Das muss man nicht haben.

Entsorgung Brauchwasser und Toilette

Um dein Brauchwasser und deinen Fäkalientank umweltgerecht zu entsorgen, bleibt dir nichts anderes übrig, als Ent- und Versorgungssstationen aufzusuchen. Ich bin da allerdings (bitte jetzt kein Aufschrei) ein wenig entspannter, da ich nur biologisch abbaubare Spülmittel und Seifen benutze und in mein Porta Porti nur Pippi, viel Wasser und ein Spritzer Spüli kommt.

Der Brauchwasserabfluss ist bei mir, sofern ich nicht auf einem Stell- oder Campingplatz stehe, oder mich in dicht besiedelten oder von Wohnmobilen stark frequentierten Orten aufhalte, immer geöffnet. Das abfließende Wasser ist umweltverträglich und geruchslos, da es nicht über längere Zeit im Tank steht. Außerdem sind es nur kleine Mengen, die an einer Stelle ablaufen.

Mein Porta Porti entleere ich entweder an den besagten Entsorgungsstationen oder auf öffentlichen Toiletten von Raststätten oder ähnlichem. Das geht aber nur, weil ich keine Chemie einsetze, um Geruch zu vermeiden und/oder Fäkalien zu zersetzen. Bitte denke daran!

Körperhygiene

Warmes Wasser habe ich nur, wenn ich eine längere Strecke gefahren bin. Mein Warmwaserboiler erwärmt das Wasser während der Fahrt und kühlt bei Stand wieder ab. Mal sehen, ob sich das mit dem Solar jetzt ändern lässt. Aber da wird es wohl noch ein zweites Modul auf dem Dach brauchen. Das Aufwärmen des Wassers ist sehr stromintensiv.

Im Innenraum hat der Campingbus keine Dusche. Bei geöffneter Heckklappe kann ich zwar eine Außendusche andocken, aber die nutze ich nur, um den Hund abzuduschen, wenn er sich unterwegs mal wieder in irgendeiner Schweinerei gewälzt hat. Oder um die Haare zu waschen.

Ein Duschfreak darfst du bei meiner Art zu reisen also nicht sein. Ich mache mir jeden Morgen Wasser warm und wasche mich »manuell«. Aber mindestens einmal die Woche will ich unter die Dusche. Da gibt es folgende Möglichkeiten:

Campingplatz: Entweder über Nacht dort bleiben oder freundlich fragen, ob man kurz duschen darf.

Wohnmobil-Stellplätze: Manchmal, eher selten, gibt es dort Duschmöglichkeiten.

Schwimmbad: Mir die liebste, da unkomplizierteste Lösung. Vorausgesetzt es findet sich eines und es hat auch geöffnet. Außerdem macht es mir Spaß, da sich die Gepflogenheiten in den einzelnen Länder sehr unterscheiden.

Raststätten: Von Lkw-Fahrern stark frequentierte Raststätten verfügen über Duschen. Mit Glück sauber und angenehm, mit Pech recht hoher Ekelfaktor. Ausprobieren.

Fitness-Center, Sportclubs o.ä.: Freundlich an der Rezeption fragen, ob man duschen darf. Klappt meistens.

Wäsche waschen

Auch eines meiner größeren Probleme. Meist sammle ich lange und fahre dann auf einen Campingplatz mit Waschmaschine und -trockner. Leider gibt es viele Campingplätze ohne Waschmaschine oder sie ist dauerbelegt und man braucht viel Geduld, um eine freie zu ergattern. Dann ist Handwäsche angesagt und ausreichend Zeit zum Freilufttrocknen.

Waschsalons mit Selbstbedienung sind in Europa leider nicht weit verbreitet. In Deutschland, Österreich und Finnland ist es kein Problem in etwas größeren Städten. In Südfrankreich findet sich in den Ferienregionen ab und an ein Waschsalon vor den Supermärkten. Ansonsten eine ziemliche, oft erfolglose, Sucherei. So wenigstens meine Erfahrung. Vielleicht hast du andere Erfahrungen gemacht. Über Infos bin ich dankbar.

WLAN

Das Internet in Europa ist ein weites Thema, das ich in diesem Beitrag nicht abdecken kann und das ständigen Veränderungen unterliegt. Du findest im Internet viele Infos über Anbieter und Konditionen deines Reiselandes. Vielleicht schreibe ich mal noch einen speziellen Beitrag zum Thema Internet in der Europäischen Union. Auf jeden Fall werde ich in meinen zukünftigen Reiseberichten ausführlich darauf eingehen.

Auf meiner EU-Rundreise habe ich mir, wenn möglich, entsprechende Prepaid-Karten besorgt. Das war aufgrund mangelnder Sprachkentnisse und unterschiedlichster Aktivierungsoptionen etwas nervend. Einige Anbieter verlangen eine Meldeadresse im Land. Die meisten Verkäufer kommen dir hier entgegen und geben ihre Adresse an. Die Konditionen unterscheiden sich stark. Von einem einheitlichen geregelten Europa ist diesbezüglich leider nicht viel zu merken.

In den meisten Ländern habe ich die offenen Netze genutzt. Auch abseits von McDonald und Co. Das ist, anders als bis vor kurzem in Deutschland mit der sog. Störerhaftung, meist kein Problem. Ein wenig Sucherei, manchmal klappte es auch nicht, aber alles in allem, konnte ich mich nicht beklagen und online alles Notwendige erledigen.

Sehr zu empfehlen: Ein sogenannter WLAN USB Adapter zur Verstärkung des WLAN-Signals. Er bringt eine enorme Verbesserung beim Empfang der offenen Netze. Unbedingt darauf achten, dass du ein langes USB-Kabel dazu besorgst. So ist der Adapter relativ frei positionierbar, um ihn dort anzubringen, wo der Empfang am besten ist. Wenn es nicht regnet, kannst du ihn auch außen befestigen.

Fazit

Zwischenzeitlich habe ich genug Erfahrung und Wissen, um das Leben im Camper stressfrei zu genießen. Und nur wenn der Wassertank leer, das Porta Porti voll, die Dusche fällig und die Wäsche dreckig ist und sich keine andere Lösung findet, wird ein Campingplatz angefahren.

  1. Anonymous

    Ich habe mir gerade Gedanken gemacht, was du mit deiner Wäsche machst, weil ich selber gerade Mengen davon wasche. Beitrag gelesen, alles klar.

    Eine Freundin mit Freund, die im Urlaub öfter im Campingbus unterwegs waren, hatten ein Fass auf dem Dach, befüllten dieses mit Wasser, das sich in der Sonne erwärmte, Wäsche und Waschpulver rein und während der Fahrt wurde die Wäsche geschleudert und gewaschen 🙂

    Sonnige Grüße

    • So ist es natürlich auch eine Möglichkeit 🙂 Aber ich glaube, Waschmaschine ist mir auf Dauer dann doch lieber. Weniger sonnige Grüße zurück. Sollte heute ein strahlender Sonnentag werden, hat es sich wohl anders überlegt, das Wetter.

Ich freue mich über Kommentare