Bulgarien Straße Europa

Ein Jahr mit dem Campingbus durch Europa

2014 zog ich los, um unser Europa auf einer einjährigen Wanderung über die Europäischen Fernwanderwege von Schweden nach Portugal zu erkunden. Nach drei Wochen brachte meine Hündin Luna leider sehr vehement und unmissverständlich zum Ausdruck, dass sie auf diesen Stress auf Dauer so gar keine Lust hat. Und was macht man als fürsorgliches Hundefrauchen? Man sucht nach einer hundegerechten Alternative. Aufgeben war nicht, da das Reisejahr fest gesetzt war und zuhause nur eine Meldeadresse an einem mir unbekannten Ort auf mich wartete. Was lag also näher als von 2 Füßen und 4 Pfoten auf 4 Räder umzusteigen. Und so wurde Karl-Friedrich, mein in der Heimat zurückgelassener Ford Nugget, unser Zuhause für ein Jahr Europäische Union.

Nun musste ich natürlich erst einmal das Wohin und das Wie bestimmen:

  • Eine Rundreise durch alle 28 Mitgliedsländer der EU soll es werden.
  • Autobahnen werden nur genutzt, wenn sinnvoll oder nicht vermeidbar. Ich möchte etwas sehen vom Land, fernab der Straßen für Eilige. Der Weg ist das Ziel.
  • Schlafplätze suche ich mir irgendwo. Campingplätze nur, wenn der Camper Strom braucht oder ich eine längere Pause machen möchte.
  • Das Tagesbudget darf 30 Euro im Schnitt nicht übersteigen.

Und so geschah es. 27 Länder habe ich tatsächlich bereist. 26 EU-Länder und Norwegen. Malta und Zypern fehlen noch. Irgendwann. Keine Autobahnen war eine gute Entscheidung. Zeit hatte ich ja und an Schotterpisten und Sonstiges, was sich in Europa so Straße nennen darf, gewöhnte ich mich recht schnell. Das mit dem Tagesbudet schwankte mal nach oben und unten. Oft rutschte ich tief in die roten Zahlen, wenn Fährkosten anstanden oder ich in kurzer Zeit viel Sprit brauchte. Aber am Ende der Reise ging es auf. Ab und an hieß es halt Gürtel enger schnallen.

Aus der Rundreise wurde entgegen meiner anfänglichen Routenplanung eher eine Achter-Reise. Ich merkte recht schnell, dass sich die ursprünglich geplante osteuropäische Winter-Route mit kalten Temperaturen, viel Schnee und hohen Gebirgen für den Camper nicht wirklich eignet. Außerdem bekam ich Sehnsucht nach südlicheren Gefilden. So verbrachte ich den Winter größtenteils im Süden Europas.

Meine Reise führte mich zuerst nach Skandinavien: Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland. Mit der Fähre von Helsinki nach Tallinn in das Baltikum: Estland, Lettland, Litauen. Weiter nach Polen, Deutschland, Frankreich, Portugal, Spanien, Südfrankreich und Italien. Von Italien mit der Fähre Brindisi-Igoumenitsa nach Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Slowakei, Tschechien und Österreich, Kroatien, Slowenien. Wieder über Österreich und Deutschland zur Fähre nach Calais in Frankreich um nach Großbritannien und Irland zu kommen. Den Abschluss bildeten die BeNeLux-Staaten: Belgien, Luxemburg und Niederlande.

Die Reiseplanung erfolgte sehr rudimentär bevor ich in ein neues Land einreiste. Oft änderte ich die geplanten Routen auch spontan. Als Hilfen dienten mir ein Reiseführer des jeweiligen Landes und das Internet. Und ein Navigationsgerät, welches mich dummerweise meist in Städten im Stich ließ. Immer da, wo ich es am Nötigsten gebraucht hätte. Nicht selten fand ich mich in viel zu engen Gassen wieder, im größten Verkehrsgetümmel oder vor einer Durchfahrt mit wesentlich geringer Höhe als die meines Karl-Friedrichs. Aber die Menschen sind ja zum Glück in den meisten Fällen sehr geduldig und hilfsbereit.

Meine Reiseplanung orientierte sich natürlich auch immer an den Bedürfnissen des Hundes. Im Sommer Schatten suchen, viel Natur zum Gassi gehen, keine allzu langen Ausflüge ohne Hund. Mit Hund reisen, vor allem mit meiner Sightseeing untauglichen Dampfwalze, kann je nach Umständen sehr einschränken. Auf der anderen Seite habe ich immer einen guten Beschützer an der Seite, mit dem ich mich an Plätze und Orte traue, an denen ich mich allein nicht wohlfühlen würde. Ideal für eine Freihsteherin wie mich.

Das Reisen im Campingbus über einen langen Zeitraum unterscheidet sich sehr von einer kurzen Urlaubsreise. Die anfängliche Begeisterung für das Neue, für Sehenswürdigkeiten und Städte weicht recht schnell der Routine und es entsteht eine Art von Alltag. Ab und an stellt sich auch eine Überforderung ein. Jeden Tag woanders und sich immer auf neue Gegebenheiten einzustellen, kann ziemlich anstrengend sein. Alles in allem war es aber ein Erlebnis, das Lust auf mehr geweckt hat. Ein Jahr ist natürlich viel zu kurz, um unsere schöne und vielfältige Europäische Union richtig kennenzulernen. Und so bleiben noch genug Ecken und Winkel, die es zu entdecken gilt.

Leider war es während meiner Europa-Tour noch fernab meiner Vorstellung, darüber zu bloggen. Deshalb habe ich vieles nicht genau dokumentiert. Aber ich krame ein wenig in meinem Gedächtnis und der eine oder andere Beitrag dazu wird noch erscheinen. Oder frag mich doch einfach, wenn dich etwas näher interessiert.

Meine nächste längere Reise führt mich nach Dänemark. Vielleicht hast du ja ein paar Ideen für mich. Was lohnt sich anzuschauen, wo ist es besonders schön, wo und was sollte ich unbedingt essen. Vielleicht hast du ja auch einen praktischen Tipp, der mir das Camperleben in Dänermark erleichtert.  Oder, oder, oder …

Ich freue mich über Kommentare