Stellplatz Spanien Nugget

Freistehen mit dem Campingbus in der EU

Sich ein schönes Plätzchen suchen oder einfach dort stehen bleiben, wo man gerade ist, weil man zum Weiterfahren zu faul oder die Umgebung so herrlich ist. Das ist das Schöne am Reisen mit dem Campingbus. Man kann sich treiben lassen. Und durch seine geringe Größe hat man auf der Stellplatzsuche viel mehr Möglichkeiten als mit einem Wohnmobil.

Stellplatz Spanien Tarifa
Spanien, Tarifa (12/2014)

Ich suche, wenn möglich, immer nach ruhigen und einsamen Plätzen. Ich mag nicht eingekeilt zwischen anderen Campingbussen oder Wohnmobilen stehen. Bekomme ich Atemnot 🙂 Ein weiteres Kriterium meiner Platzwahl ist Natur für die Gassirunde. Je mehr, desto lieber, aber auch ein kleiner Park oder eine Grünfläche entlang des Weges ist ausreichend. Manchmal entdecke ich tolle Natur an Stellen, an denen ich nie damit gerechnet hätte. Das sind so die kleinen Freuden des Reisens.

Stellplatz Griechenland auf Berg
Griechenland, in der Nähe von Karako auf einem Berg (02/2015)

Auf Camping- oder Wohnmobilstellplätze stehe ich nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Wenn der Camper Strom braucht, sich kein Schwimmbad zum Duschen oder kein Waschsalon für die Wäsche finden lässt. Oder wenn ich einfach mal ein paar Tage nicht fahren möchte. Aber das hat nun hoffentlich ein Ende, weil mein Nugget seit kurzem eine Solaranlage hat und ich ab jetzt wirklich autark bin.

Lettland Rezekne Zeimulsgebäude
Lettland, Rezekne, Zeimuls-Gebäude (09/2014)

Auf meiner Reise durch die Europäische Union habe ich an den unterschiedlichsten Plätzen übernachtet. Mal wunderschön, mal surreal, mal unheimlich oder einfach nur pragmatisch. Bei Supermärkten und Einkaufscenter, am Meer, an Seen, auf dem Berg, mitten in der Stadt, auf Rastplätzen, im Wald … Probleme gab es nie. Es gab keine Einbruchsversuche und der Hund hat jede Nacht ruhig durchgeschlafen. In 380 Tagen wurde ich nur ein einziges Mal, von der Security eines Einkaufszentrums, verscheucht.

Stellplatz Frankreich Strand La Grande Motte
Frankreich, in der Nähe von La Grande Motte (12/2014)

Mein lustigstes Erlebnis hatte ich in Lettland, wo ich eine unfreiwillige Reisepause einlegen musste. Abends glücklich ein tolles Plätzchen vor einer Kirche gefunden. Viel Platz, ruhig, schöne Kulisse, ein kleiner Park nebenan. Ideal für Mensch und Hund. Aufgewacht bin ich inmitten akkurat um mich herumgebauter Markstände. An diesem Tag war großer Krämer- und Flohmarkt. Keiner hat sich daran gestört, alle haben sich sehr amüsiert und ich hatte einen schönen, ungeplanten Tag auf dem Markt.

Stellplatz Bulgarien, Sofia, Vitosha-Gebirge
Bulgarien, Sofia, Vitosha-Gebirge (03/2015). Nachts klarer Himmel und morgens eingeschneit.

Ein anderes Mal schreckte ich mitten in der Nacht aus dem Schlaf, weil ich auf einem Platz stand, den die Jugendlichen des Ortes Freitag abends für ihre Freiluft-Party nutzten. Hip-Hop in ohrenbetäubender Lautstärke. An Schlaf war nicht mehr zu denken. So kam ich spät in der Nacht unerwartet in den Genuss eines der guten  litauischen Biere.

Polen Lodz manufactura
Polen, Lodz, Einkaufszentrum mit Kneipen, Kino und Museum ms1 (10/2014)

In Griechenland kam ich mit einem neugierigen Ehepaar ins Gespräch. Zu meinem Glück waren sie Inhaber eines griechischen Spezialitätenladens. Sie brachten ein paar ihrer Leckereien mit, ich hatte noch Wein aus Italien sowie Wodka aus Polen und radebrechend mit Händen und Füßen genossen wir einen nette Zeit zusammen.

Stellplatz Schweden Natur
Schweden, irgendwo unterwegs in der Natur (07/2014)

In Süditalien verfrachtete mich ein Stellplatzbetreiber kurzerhand auf seinen in der Nacht bewachten Platz und ließ mich dort umsonst übernachten. Er macht sich Sorgen um mich. Die Gegend meines Nachtlagers war wohl unglücklich gewählt und nicht sicher. Ich fühlte mich selbst unwohl, war aber zu müde zum Weitersuchen.

Das ist überhaupt der beste Tipp, den ich dir für das Freistehen geben kann. Hör auf deinen Bauch. Intuitiv habe ich immer gespürt, ob es ein guter Platz zum Bleiben ist oder nicht. Und da nichts passiert ist, war das wohl richtig. Und schaue in den größeren Städten immer nach den Universitäten. Dort gibt es meist viel Platz zum Parken, eine gute ÖPNV-Anbindung ins Zentrum und oft auch offenes WLAN.

Am unwohlsten habe ich mich in Rumänien gefühlt. Aber nicht, weil es dort gefährlicher oder unheimlicher ist. Im Gegenteil. Rumänien ist schön und interessant, seine Menschen freundlich und nett. Aber die streunenden Hunde. Ich wusste nie, aus welcher Ecke jetzt wieder einer geschossen kommt. Die meisten sind zwar ängstlich und zurückhaltend, aber im Rudel sind sie mutiger und wagen sich näher heran. Da wurde mir und Luna das eine oder andere Mal etwas mulmig. Vor allem im Dunkeln. Die letzte Gassirunde war immer eine kleine Mutprobe für mich.

Stellplatz Portugal am Strand
Portugal, irgendwo unterwegs am Strand (11/2014)

Die Rundreise durch die Europäische Union war eine großartige Erfahrung. Was macht man sich nicht für Gedanke, wieviele Ängste und Bedenken trägt man mit sich herum. Um dann zu erkennen, dass die Welt nicht so schlecht ist, das Reisen unkompliziert und das Freistehen kein Problem. Auch als Alleinreisende(r). Sofern man vorbehaltlos und ohne Naivität an alles herangeht, freundlich bleibt, sich unauffällig verhält und seine Camper-Mentalität nicht exzessiv auslebt.

Welche Erlebnisse beim Freistehen hattest du so auf deinen Reisen mit dem Camper? Kennst du einen schönen Platz, den du mir verraten möchtest? Dann hinterlasse mir doch einfach einen Kommentar. Ich freue mich über Feedback von anderen Reisenden.

In Zukunft gibt es auf diesem Blog Informationen über meine liebsten Stellplätze, die ich auf Reisen so finde. Mit Bildern und gps-Daten zum Wiederfinden. Vielleicht bist du ja mal in der Gegend und freust dich über einen schönen Platz.

Ich freue mich über Kommentare