Honigernte mit Presse

Honigernte mit der Presse

Seit ein paar Jahren machen wir unseren Honig selbst. Das hat, abgesehen von der Freude an der Bienenzucht, dem Genuß beim Essen und den allseits gern gesehenen Honig-Mitbringseln, gute Gründe. Und es gibt echt sinnlosere Hobbys, in die man Zeit und Geld investieren kann.

Warum eigene Bienenvölker?

Immer wieder hört man vom Bienensterben und den wenigsten Menschen ist bewußt, was das im Endeffekt für uns alle bedeutet. Ohne Bienen keine Pflanzen. So einfach ist das eigentlich. Trotzdem wird den Bienen, vor allem durch den Einsatz von Giften in der Landwirtschaft, das Überleben schwer gemacht.

Ein weiterer Grund für eigene Bienen ist die industrielle Herstellung des Honigs. Mit gutem Honig hat das oft nicht mehr viel zu tun. Da wird gepantscht, mit Zucker gestreckt, Antibiotika verabreicht und was weiß ich nicht alles. Von der Bienenhaltung mal ganz abgesehen. Darauf hatten wir irgendwann keine Lust mehr.

Biene auf Finger

So versuchen wir also, den Bienchen ein wenig zu helfen und einen kleinen Teil zu ihrem Überleben beizutragen und bekommen dafür als Belohnung reinen, leckeren Honig. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten 🙂

Bienenvölker und Honigproduktion

Hatten wir anfangs nur einen Bienenstock, sind es zwischenzeitlich schon fünf. Drei stehen beim Herrn Ex und zwei bei mir. Leider sind letzten Winter wieder zwei Völker durch die gefährliche Varoamilbe eingegangen und erst im Frühjahr durch zwei Schwärme, die sich geteilt haben, ersetzt worden.

Bienenschwarm im Baum
Bienenschwarm hoch oben im Baum

Aufgrund dieser kurzen Zeitspanne war deren Produktion somit sehr gering, so dass es nur für ihre eigene Ernährung über die Wintermonate reichen wird, aber keinen Ertrag für uns abgeworfen hat. Wir füttern in der kalten Jahreszeit möglichst keinen Zucker zu, sondern lassen den Bienen ihren eigenen Honig zum satt werden. Nur was über deren Eigenbedarf hinausgeht, wird geerntet.

Naturwabenbau

Dieses Jahr habe ich bei meinen beiden Stöcken erstmalig den Naturwabenbau getestet. Das Ergebnis ist so na ja bis sch… Auch bei dem älteren Volk, dass den letzten Winter gut überstanden hat. Das liegt meiner Vermutung nach

  • an dem (noch) nicht optimalen Standort auf meinem Grundstück (zu wenig Sonne) und
  • an der kurzen Trachtzeit durch die klimatischen Bedingungen hier oben im Norden.

Die Bienen benötigen zuviel Energie für den Wabenbau, so bleibt für die Honigproduktion keine Zeit mehr. Außerdem ist die Königin vermutlich schon ein wenig in die Jahre gekommen und das Volk deshalb recht schwach.

Naturwabe
Naturwabe in der Entstehung

Nächstes Jahr werde ich also wieder Mittelwände in die Rähmchen einbauen. Herr Ex hat auf diese Weise ein erheblich besseres Ergebnis erzielt, obwohl seine Bienenbeuten nur ein paar Meter entfernt von meinen stehen.

Rahmen mit Mittelwand
Rähmchen mit Mittelwand

Die Mittelwände werde ich aber nicht, wie bisher, beim Imkereibedarf kaufen, sondern stelle sie aus dem bei dieser Ernte gewonnenen Wachs selbst her. Ich traue den gekauften Mittelwänden, die ja aus dem gesammeltem Wachs aller möglichen Imker hergestellt werden, nicht. Meine Logik sagt mir, dass ich die ganze Chemie oder Krankheitserreger von anderen Bienenstöcken miteinkaufe. Will ich aber nicht. Die Herstellung der Wände wird eine nette Beschäftigung für ruhige, lange Winterabende.

Wachsreste aus der Presse
Wachsrest aus der Honigpresse. Einschmelzen und filtern und fertig ist das Wachs für die Mittelwände.

Die Honigernte

Dieses Jahr war die Ernte ein Kraftakt, der sehr viel Zeit und Nerven in Anspruch genommen hat. Arbeiteten wir die letzten Jahre relativ stressfrei mit der Honigschleuder, wollten wir dieses Jahr mal eine Honigpresse ausprobieren, da der Honig durch die enthaltenen Pollen und Wachsrückstände gesünder und wohlschmeckender sein soll.

Eine gute Idee. Im Prinzip. Der Honig schmeckt tatsächlich intensiver und hat eine festere Konsistenz. Ober er gesünder ist? Keine Ahnung, Hauptsache schmeckt 🙂 Dass das Pressen mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, war uns klar, aber dass sich die Honigpresse als totaler Fehlkauf entpuppen und während der Ernte auch noch kaputtgehen würde, damit hatten wir leider nicht gerechnet.

Vorbereitungen für die Honigernte

Zwei, drei Tage vor der Ernte wird die sogenannte Bienenflucht unterhalb der Beutenzargen, die man abnehmen möchte, eingesetzt. Die Bienen können dann noch raus, aber nicht mehr rein in die Zargen. Der Sinn dahinter sind weitestgehend bienenfreie Zargen zum Zeitpunkt der Honigernte.

Bienenflucht
Eine Bienenflucht wird aufgesetzt

Bevor man am Bienenstock arbeitet, werden die Bienen eingeräuchert, damit sie sich im Stock zusammenrotten und nicht wild werden. Nach einigem Ausprobieren nehmen wir dafür zwischenzeitlich selbstgepflückten und getrockneten Rainfarn. Der kostet nichts, riecht gut und hat angeblich auch noch eine leicht desinfizierende Wirkung.

Smoker
Anfeuern des Smokers zum Einräuchern der Bienen

Jetzt müssen noch die einzelnen Rähmchen in den Zargen voneinander gelöst und die Propolis entfernt werden und dann kann es losgehen mit der Honigernte.

Propolis
Lösen des Propolis, welches die Bienen zum Verkleben der Zwischenräume verwenden

Honigernte mit der Honigschleuder

Bisher haben wir den Honig immer mit der Schleuder geerntet. Die Vorbereitungen sind bei beiden Methoden gleich. Beim Schleudern müssen die Waben zuvor entdeckelt werden, das bedeutet die obere Wachsdecke, mit der die Wabenzellen verschlossen sind, wird entfernt, damit der Honig beim Schleudern austreten kann.

Entdeckeln der Wabe
Entdeckeln der Bienenwabe

Je drei Rähmchen werden in die Schleuder gestellt und dann heißt es kurbeln. Durch die Zentrifugalkraft wird der Honig aus den Waben geschleudert und läuft dann nach unten in den Auslauf ab.

Einstellen der Waben in die Schleuder

Und nun läuft es und läuft es in das Filtersieb. Danach kann der Honig abgefüllt werden und das war es auch schon. Bis auf das leidige Putzen der Gerätschaften danach.

fliessender Honig

Honigernte mit der Honigpresse

Dieses Jahr nun mit der Presse. Da wir es erst einmal ausprobieren wollten, haben wir uns für ein kleines und günstiges Modell entschieden.  Eine ApiNord® Niro Honigpresse für rund 100 Euro. Hier hat sich der Spruch Wer billig kauft, kauft zweimal mal wieder bestätigt.

Zuerst werden die Waben herausgeschnitten. Das war etwas umständlich, da viele Rähmchen unnötigerweise noch mit Zwischendrähten bespannt waren. Die braucht es für das Schleudern, damit die Waben Halt haben und nicht herausbrechen.

Waben auslösen für die Presse

Damit beim Pressen nicht zuviel Wachs austritt, wird erst einmal ein Pressack in die Presse gehängt. Dann werden Wabenstücke eingefüllt, mit einem Kochlöffel ein wenig zermatscht und der Sack locker geschlossen. Darauf kommt ein dicker Holzdeckel und die Kurbel wird eingesetzt.

Honigpresse mit Pressack
Honigpresse mit befülltem Pressack

Nun geht die eigentliche Arbeit los. Und mit dieser Presse ist es wirklich Arbeit. Und irgendwann auch Schmerz. Die Presse ist nicht fixierbar, so dass es auf jeden Fall zwei Leute braucht. Einer hält, einer dreht. Halten kann man nur an den Schlitzen der Presse, wo die Querträger der Kurbel fixiert werden. Sowohl das Drehen als auch der Gegendruck schneiden mit der Zeit ins Fleisch. Von der Kraftanstrengungen reden wir mal gar nicht. Aber schau selbst, was ich meine:

Irgendwann haben wir mit Topflappen und Handschuhen gearbeitet. Ist natürlich klasse, wenn alles klebt 🙂 Abgesehen davon lief es ganz gut. Langsam, wegen der geringen Einfüllmenge und den Pausen, die man zwischendrin machen muss, damit sich der entstandene Druck wieder löst und man weiter drehen kann. Wenn die Waben ausgepresst sind, heißt es Pressack leeren und neu befüllen. Das Leeren ist eine ziemliche Sauerei, da alles klebt.

Nach jeder zweiten Fuhre wird der Honig durch den Filter in einen Eimer abgegossen.

Honig abgiessen
Hart erarbeitetes flüssiges Gold

So weit so gut und dann kam der Supergau. Ein Querträger brach ab. Gerade angesetzt zum kräftigen Drehen und zack, fliegt das Ding einfach ab.

abgebrochene Kurbel Honigpresse

Was tun? Kein Ersatz weit und breit. Improvisation war vonnöten. Nach einiger Denkarbeit hatten wir die Lösung. Eine hohe Keramikdose, ein Stück Holz, Sitzfleisch und Hüftkreisen. Das erste Mal im Leben hätte ich gerne 50 Kilos mehr gehabt.

Leute, ich sags euch. Das war ein Akt. Aber wir haben es geschafft. Zwar mit etwas Verlust, weil wir mit der Körpergewichtseinsatz-Methode nicht soviel aus den Waben herausdrücken konnten und diese deshalb noch voller Honig waren. Aber geschafft. Die noch honigfeuchten Waben gehen wieder an die Bienen. Die freuen sich über die Zusatznahrung und putzen uns das Wachs schön sauber.

gepresste Honigwabe
Wenn die Bienen damit fertig sind, haben wir honigfreies Wachs

Insgesamt haben wir trotz aller Verluste doch noch satte 34,5 Kilos geerntet. Das reicht locker über das Jahr. Zur nächsten Ernte wird eine professioneller Presse besorgt und ein zweiter Versuch gestartet.

Honig im Glas
Die ersten abgefüllten Gläser der Honigernte 2017. Der Rest ist noch im Eimer.

  1. Toller Bericht und sehr verständlich beschrieben. Ich finde es auch gut das Du auch das Missgeschick mit der kaputten presse beschreibst. Nicht nur heile Welt.

    • Hallo Uschi,
      danke für das Lob, freut mich, dass du meinen Bericht gerne gelesen hast. Und ja, auch das nicht so Schöne gehört zum Leben. Ist auch gut so, sonst erkennt man ja das Gute nicht, das einem widerfährt.
      Liebe Grüße, Uschi

  2. Anonymous

    Sehr interessanter Beitrag! Habe mich bisher noch nicht mit Bienen auseinandergesetzt, außer zwei Stichen mit heftigen allergischen Reaktionen :-I und viel Lavendel auf der Terrasse, weil Bienen den wohl gerne mögen.
    Auch hier wie bei den Rotschwänzchen: Videos lassen sich nicht öffnen.
    Liebe Grüße

    • Auch hier vermutlich wieder das youtube-Video-Phänomen: Einfach noch mal den Pause-Button drücken und dann wieder auf Start. Nun sollte es funktionieren. Meld dich mal bitte zurück, ob es funzt. Bienenfreundliche Pflanzen sind super! Nicht nur schön, sondern auch nützlich.
      LG

      • Anonymous

        Super!!! Warum auch immer, lassen sich jetzt hier alle Videos auch ohne Tricks öffnen 🙂

        Ey, aber das zweite Video mit der alternativen „Honig-Fitnesspresse“ sieht echt mühevoll aus. Den Honig habt ihr euch wahrscheinlich im Schweiße Eures Angesichts verdient. Das ist echtes, flüssiges Gold 🙂

        Sonnige Grüße

      • Dann ist ja alles gut. Tücken der Technik überwunden:-) Kräftezehrende Honigernte, in der Tat. Da schmeckts dann doppelt gut. Liebe Grüße, Uschi

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