Meerjungfrau aus Kupfer

Brest und Pointe de Pen-Hir

Hallo zusammen,

noch immer bin ich im Finistère und nähere mich langsam dem Süden der Bretagne. Das Bild verändert sich, die Gegend wird touristischer. Feriensiedlungen, Hotels, Promenaden. Der Norden und Nordwesten sind, für meinen Geschmack, die schönere Bretagne.

Nach dem Start in den Dünen gen Brest ging es zuerst noch einmal nach Plouguerneau, diesmal nicht für die Wäsche, sondern um noch ein paar Kleinigkeiten auf dem, sehr übersichtlichen, Wochenmarkt zu besorgen.

Austernstand Markt Plouguerneau
Austern aus dem Aber Benoît auf dem Markt von Plouguerneau

Ein paar Austern für das Mittagessen und ein Pain de chocolat für das gesunde Frühstück eingepackt und weiter ging die Fahrt an der Côte des Abers nach Plourazel zum Menhir de Kerloas. Fünftausend Jahre steht er schon da und trotzt unbeeindruckt allen Widrigkeiten des Weltgeschehens. Selbst Obelix müsste bei diesem zwölf Meter in die Luft ragenden Hinkelstein wohl passen.

Menhir de Kerloas
Menhir von Kerloas

Noch einen ausgedehnten Zwischenstopp am Leuchtturm des Pointe Saint Matthieu, um ein wenig zu arbeiten und meinen Markteinkauf stilecht mit Meeresblick zu genießen, bevor ich spät abends endlich Brest erreichte.

Leuchtturm Saint Mathieu Bretagne
Das weithin sichtbare Leuchten des Leuchtturms am Pointe Saint Matthieu

Brest – Hafen und Marine im Finistère

Was soll ich sagen, alles was man über Brest hört und liest, stimmt. Es ist eine häßliche Stadt ohne jeden Charme. Nach der fast vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde sie sehr betonlastig im Stil der damaligen Zeit neu aufgebaut. Das bretonische Flair sucht man hier vergebens.

Marinehafen Brest
Teil des Marinehafens in Brest

So sehr ich mich auch bemühte, ich konnte Brest nichts abgewinnen. Selbst das Zentrum mit der schnurgeraden Einkaufsstraße Rue Siam hat keinerlei Charme, der zum Verweilen einlädt. Brest ist wohl eine dieser Städte, die man sich erarbeiten muss, um Gefallen an ihr zu finden.

Brest Zentrum Rue Siam
Schnurgerade und ohne jeden Esprit: die Rue Siam in Brest
Macarons und mehr Bretagne Brest
Nicht nur öde in Brest. Ist das nicht hübsch? Weihnachtsbäume mal anders.

Außer der geschichtsträchtigen Festung im Marinehafen und dem Aquarium Océanopolis hat Brest noch zwei andere sehr interessante Bauwerke zu bieten. Wobei das eine kein Bauwerk ist, sondern ein Transportmittel um den Fluss Penfeld zu überwinden, der die Stadt teilt. Die erste urbane Seilbahn Frankreichs.

Seilbahn Brest
Hoch über den Dächern von Brest in der Bartholet-Seilbahn

Das andere Bauwerk ist die Pont de Recouvrance. 1954 errichtet, ist sie die größte Hebebrücke Europas. Zu festen Zeiten wird das 87 Meter lange Mittelteil angehoben, damit die Hochseedampfer passieren können. Leider konnte ich das Schauspiel nicht selbst erleben.

Pont de Recouvrance Brest
Hebebrücke Recouvrance in Brest

Plougastel-Daoulas und Pointe de Pen-Hir

Da auch Lunchen mit der Wahl des Schlafplatzes nicht einverstanden war und gerne auf eine weitere Nacht in Brest verzichtete, ging es nach dem Stadtbummel in den Parc naturel Régional d’Armorique zum Pointe de Pen-Hir mit seinen schroffen Granitfelsen. Der Atlantik war brav, so dass die tosenden Wellen fehlten, aber trotzdem ein Fest für die Augen. Und mit Sonnenschein 🙂

Pointe de Pen-Hir Bretagne
Pointe de Pen-Hir in Camaret-sur-Mer
Granitfels Pointe de Pen-Hir
Nahaufnahme eines Felsen am Pointe de Pen-Hir.

Und da ich die Enclos Breton und ihre Calvaire auf meiner kleinen Rundtour im Landesinnere so beeindruckend fand, machte ich auf dem Weg zum Pointe de Pen-Hir noch einen kurzen Abstecher zum umfriedeten Pfarrbezirk von Plougastel-Daoulas.

Calvaire Pougastel-Daoulas
Kreuz der Calvaire von Plougastel-Daoulas
Pfarrbezir Plougastel-Daoulas Figurenensemble
Kleiner Ausschnitt des Figurentheaters der Calvaire von Plougastel-Daoulas

Das Kircheninnere ist sehr schlicht und streng gehalten und nicht zu vergleichen mit der Üppigkeit der Pfarrkirche von Lampaul-Guimiliau. Besonders gefallen haben mir die, in ihrer Art ganz anders als üblich gestalteten, Kirchenfenster.

Buntes Kirchenfenster in Plougastel-Daoulas

Damit genug für heute, es ist schon wieder spät und noch kein Schlafplatz in Sicht. Mein nächstes größeres Ziel wird die Stadt Quimper, bevor es dann weiter nach Carnac am Golf von Morbihan geht. Dolmen und Menhire gucken.

Skulptur Granit Bretagne
Granitskulptur auf dem Weg nach Camaret-sur-Mer im Garten eines Bildhauers und Malers

Bis dann, seid nett zueinander,

 

  1. Vor ein paar Tagen habe ich zufällig in eine Dokumentation „gezappt“, in der es um die Betonbauten in Brest ging. Da ja die Innenstadt von Brest quasi komplett zerstört war, und ein originalgetreuer Aufbau keinen Sinn machte, haben sie den Architekt Jean-Baptiste Mathon engagiert, der zusammen mit einigen seiner Studenten die komplette Innenstadt aus Beton neu gebaut hat. Besonders eindrucksvoll fand ich die Kirche und das Rathaus. Aber auch die geometrisch angeordneten Gebäude, an den Staßen, die zum Hafen hin führen. Die haben ja teilweise arkadenartige Gänge unten an der Straße. Ebenso wurden alle Verzierungen und Stilelemente aus Beton gebaut. Der Beton wurde übrigens mit den zermalenen Überresten der zerstörten Gebäude angerührt. Sie haben damals extra den Schutt farblich sortiert, damit sie die Sichtbeton-Flächen differenzieren können. Ist also nichts angemalt.
    Diese Doku fand ich hochinteressant und dadurch erscheint die auf den ersten Blick hässliche Betonarchitektur bei genauererer Betrachtung doch irgendwie schön. Aber vielleicht braucht man da auch Sonnenschein und wärmere Temperaturen, damit das attraktiver ist. 🙂
    Schade, ich kann diese Dokumentation leider nicht mehr finden. Leider weiß ich auch nicht mehr, bei welchem Sender sie lief. Bei Arte, ZDF und ARD kann ich nichts mehr darüber finden. Und über Google leider auch nicht.

    • Das ist ja interessant, schade dass du den Beitrag nicht mehr findest. Vielleicht gibt es ja mal eine Wiederholung. Das Rathaus habe ich gesehen, der Zauber ist mir entgangen 🙂 Das einzig hübsche war der Blumenschmuck am vorgelagerten Betongeländer und die Aufbauten für den Weihnachtsmarkt davor 🙂 Die Geometrie der Straßen ist mir aufgefallen, ist auf dem Foto der Rue Siam auch ansatzweise erkennbar. Vielleicht hast du ja recht und es braucht Sonnenschein und Menschenleben, um die Schönheiten der Betonstadt zu erkennen.

Ich freue mich über Kommentare