Nugget Solarausbau Dach

Endlich autark: Solar für den Nugget

Bist du auch genervt, wenn du aufgrund der schwachen Bordbatterie nicht einfach mal so ein paar Tage im Blauen bleiben kannst? Spielst du mit dem Gedanken, dir eine Solaranlage für deinen Campingbus anzuschaffen? Dann ist dieser Artikel vielleicht hilfreich für dich.

Ich bin das erste Mal mit meinem Nugget und Solar on Tour und bin begeistert. Endlich bleiben, wo und wie lange ich will (vorausgesetzt, es ist nicht tagelang Weltuntergangsstimmung am Himmel).

Mein freundlicher Solaranlage-Einbauer war so nett, mir eine Einbau-Anleitung für meinen Ford Nugget zur Verfügung zu stellen. Momentan habe ich ein Solarmodul 100W auf dem Dach. Sollte es nicht reichen, kann die Anlage problemlos um ein zweites Modul vor dem Dachfenster erweitert werden.

Nachtrag: Zwischenzeitlich wurde die Anlage um ein zweites 130W-Modul erweitert, weil sich in der Praxis gezeigt hat, dass einmal 100W zu wenig für meinen Bedarf sind. Mit Kühlschrank, Licht, Notebook und andere elektrische Kleinteile laden sowie eventuell noch Standheizung, ist die Spannung der Batterie bei schlechterem Wetter relativ schnell am Ende. Habe aber auch den Verdacht, dass meine Bordbatterie, obwohl erst neu gekauft, nicht mehr die Beste ist und viel zu schnell an Spannung verliert.

 

Achtung! Jetzt wird es technisch.

Solaranlage für den Nugget: Einbau-Anleitung

Die Arbeitsschritte

1. Solarkabel verlegen

  1. Schrank und Heckregal abschrauben.
  2. Großes Holzbrett (das mit den Türen) vor dem Kühlschrank abschrauben.
  3. Tipp: Bei der Gelegenheit gleich mal die beiden Schrauben vom Handtuchhalter abschrauben, mit Schraubensicherungslack versehen und wieder festschrauben. Die wackeln ganz gerne mit der Zeit.
  4. Rücklicht links abschrauben.
  5. Zwei Löcher oben ins Blech bohren (in der Ecke, unterhalb des Hochschrankes – siehe Fotos).
  6. Zwei Löcher unten von innen nach außen in die Kunststoffverkleidung bohren (so dass die Solarkabel unterhalb des Rücklichtes wieder ins Fahrzeug gelangen – siehe Fotos).
  7. Solarkabel einziehen: Unterhalb des Hochschrankes durch die Löcher, dann in den hinteren Holm und dort nach unten, so dass es irgendwann in der Aussparung des Rücklichtes auftaucht. Dann weiter nach unten und dort dann durch die zuletzt gebohrten Löcher ziehen. Nun innen hinter den Brettern bis in die Aussparung beim Hinterrad ziehen. Von dort etwas nach vorne, bis zum späteren Montageort des Ladereglers (siehe Fotos).
  8. Position des Ladereglers auf dem Blech vor dem Westfalia-Ladegerät markieren. Blech abschrauben und Löcher zur Befestigung des Ladereglers bohren (3mm, wenn man ihn mit M3-Schrauben befestigen will. – Idealerweise wird er aber stattdessen an M3 Nietmuttern befestigt, dann kann man ihn später leichter entfernen, und muss nicht die komplette Verkleidung abschrauben).
  9. Laderegler an das Blech schrauben (Schraubensicherungslack verwenden).
  10. Anschlusskabel Laderegler -> Batterie an der Bordbatterie anschließen und ordentlich bis zum Laderegler verlegen. Achtung! Hierbei die Sicherung noch weglassen.
  11. Alle Kabel auf passende Länge bringen, ordentlich mit Aderendhülsen versehen und beschriften.
  12. Blech mit Laderegler wieder einbauen.
  13. Kabel am Laderegler anschließen. Erst danach die 20A-Sicherung im Anschlusskabel Laderegler -> Batterie  einstecken!
  14. Solarkabel innen an allen Kabeldurchführungen mit Spezialkleber abdichten, so dass sie einerseits nicht mehr hin und her rutschen und damit keine Feuchtigkeit von außen eindringt.
  15. Verkleidung vor dem Kühlschrank montieren.
  16. Rücklicht wieder montieren.

Bildergalerie mit den einzelnen Arbeitsschritten. Bitte auf das Bild klicken.

2. Solarpanel vorbereiten:

  1. 4 Löcher (8mm) für die Verschraubung mit den 4×4 Profilen bohren.
  2. Auf Höhe dieser Löcher mit einem  Dremel  + Trennscheibe eine Aussparung flexen.
  3. Passende Stücke von einem Alu-Flachprofil (20mm breit, 2mm stark – gibt’s in 1m Länge im Baumarkt) absägen und in die geflexten Aussparungen einlegen. In diese Stücke ebenfalls 8mm-Löcher bohren.
  4. Beide 4×4 Profile an das Panel schrauben (M8, Schraubensicherungslack verwenden).

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3. Schienen auf Nuggetdach montieren:

  1. Dach gründlich reinigen und einwachsen.
  2. Die 4 Kunststoffschrauben entfernen.
  3. EPDM Zellkautschukband 40mmx2mm auf voller Länge auf die Unterseite der 16×40 Profile kleben. Profile zuvor entfetten und reinigen.
  4. Vorderes Loch (10mm) in die Profile bohren.
  5. Profile so biegen, dass sie der Dachwölbung entsprechen und überall dicht anliegen. Tipp: Mit einer Schablone aus Karton geht das viel einfacher.
  6. Wenn durch die Biegung das Zellkautschukband beschädigt wurde, an der Stelle rechtwinklig abschneiden und neues Band aufkleben sowie das gebohrte Loch aussparen.
  7. Schienen vorne provisorisch mit M10-Schraube fixieren und hinten die Position des Loches markieren.
  8. Hinten Loch (10mm) bohren.
  9. Bei vier Nutensteinen die M8-Gewinde aufbohren auf 10mm.
  10. Diese Nutensteine an der Stelle der Bohrungen in die Schienen einlegen. Evtl. müssen die vorderen Nutensteine noch leicht abgefeilt werden, damit sie an der Biegung passen.
  11. Die Schienen testweise auf dem Dach festschrauben (M10) und ggf. Biegung o.ä. nacharbeiten.
  12. Probeweise das Solarpanel auflegen und prüfen, ob alles passt.
  13. Hintere Position des hinteren 40×40 Profils des Solarpanels auf den Schienen einzeichnen. So dass dahinter die Dachdurchführung passt.
  14. Die Schienen wieder abschrauben und an der markierten Stelle absägen.
  15. Schienen auf dem Dach neben die Löcher legen. Rund um die Löcher sowie an den M10-Schrauben spezielle dauerelastische Dichtmasse anbringen, so dass später keine Feuchtigkeit an den Gewinden ins Dach kommt.
  16. Schienen vorsichtig auf die Löcher legen und endgültig festschrauben. Nicht zu fest ziehen!

Bildergalerie mit den einzelnen Arbeitsschritten. Bitte auf das Bild klicken.

4. Dachdurchführung und Anschluss Solarpanel:

  1. Zwei Löcher bohren, wo die Solarkabel durch das Dach in den oberen Schrank durchgehen sollen. Hierzu an der gewünschten Position innen zuerst die Schaumstoff-Verkleidung entfernen und dann von innen nach außen bohren!
  2. Solarkabel durchziehen und oben grob auf passende Länge bringen.
  3. Schrank innen wieder montieren und dabei das Solarkabel ordentlich verlegen/verstecken.
  4. Dach-Durchbohrung und Solarkabel abdichten mit Spezialkleber.
  5. Dachdurchführung und deren spätere Montagestelle auf dem Dach gut reinigen und entfetten.
  6. Solarkabel durch die Dachdurchführung ziehen und die Dachdurchführung mit Spezialkleber aufs Dach kleben. Wenn man nicht geübt ist, sollte man zuvor die Klebestelle mit Kreppband abkleben, damit der Spezialkleber später nicht das Dach unnötig verschmiert.
  7. 24h trocknen lassen.
  8. Solarkabel auf die passende Länge bringen und die Solar-Stecker ancrimpen.
  9. Solarpanel möglichst lichtdicht abschatten (damit keine Spannung anliegt!) und dann die Solarstecker miteinander verbinden.
  10. Abschattung entfernen und Funktionstest der Solaranlage.
  11. Solarkabel mittels Kabelbinder möglichst so befestigen, dass sie nicht unnötig auf dem Dach klappern.
  12. Solarpanel auf den Schienen befestigen. Hierzu Schraubensicherungslack verwenden.
  13. Hinteres Regal wieder montieren.

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Fertig. 🙂

Hinweis

Wenn man in der o.g. Reihenfolge vorgeht (z.B. weil man aus bestimmten Gründen noch nicht mit den Schienen oder Dach beginnen kann), benötigt man eine spezielle Crimpzange und Solar-Stecker (siehe Foto bei Schritt 4 g).

Wenn man diese nicht extra kaufen will und man als erstes mit Schienen und Dach beginnt, muss man spezielle Solarkabel mit fertig montierten Steckern kaufen und Schritt 1 hinter Schritt 3 verschieben. Diese vorkonfektionierten Solarkabel bedingen aber, dass man das Solarkabel vom Dach beginnend nach unten ziehen muss, weil ja die Solar-Stecker nicht durch die Bohrungen passen.

Der Solarladeregler und alle Kabel sind bereits für 2x 100W (oder 1x 100W plus 1x 130W) ausgelegt.

Für die Solaranlage wurde eine besondere Schienenmontage gewählt (inspiriert durch Beiträge im Nuggetforum, aber noch um einige Details optimiert 🙂 , weil diese im Gegensatz zur Klebemontage einige Vorteile bringt:

  • Das Solarmodul kann bei einem Defekt leicht ausgetauscht werden durch ein Modul mit anderen Abmessungen. Je nach Hersteller unterscheiden sich die Solarmodule um einige Millimeter. Bei Klebemontage hat man diesen Spielraum meist nicht und hat dann ein Problem, wenn man kein exakt gleiches Modul bekommt. Oder man muss die aufgeklebten Halterungen an das neue Modul anpassen, was im schlimmsten Fall zum aufwändigen Entfernen und erneuten Kleben führen kann.
  • Die Schienen kann man problemlos im Freien bei kalter und/oder leicht feuchter Witterung montieren, z.B. in der kalten Jahreshälfte. Das gleiche gilt für Erweiterungen oder Reparaturen. Bei Klebemontage hat man diese Möglichkeit nicht, denn der Kleber darf nur bei Temperaturen über 10°C und trockener Luft verarbeitet werden und muss dann 24h bei diesen Umgebungsbedingungen trocknen, ohne dass das Fahrzeug bewegt wird.
  • Die Schienen können schnell und zu 100% rückstandsfrei entfernt werden, weil sie nur geschraubt sind und die werksseitig vorhandenen Schraubpunkte nutzen, die von Westfalia für Kajak-Halterungen vorgesehen sind. Bei Klebemontage wird man immer großflächig hässliche Kleberreste auf dem Dach haben. Das einzige, was bei diesem Schienensystem geklebt wurde, ist die kleine Dachdurchführung. Diese ist aber auch bei Klebesystem notwendig. Im Nuggetforum wählten einige Nuggetbesitzer die nichtdestruktive Kabelführung durch das Dachfenster. Dies ist aber sehr arbeitsintensiv und man wird immer das Kabel innen am Himmel sehen, egal wie gut man sich anstrengt und versucht, es zu verstecken. Es war wichtig, dass man innen nichts sieht, deshalb kam nur die Kabelführung durch den Schrank oberhalb des Kühlschranks in Frage. Und da kommt man dann nicht herum, das Dach zu durchbohren und oben eine Kabeldurchführung zum Schutz vor Feuchtigkeit aufzukleben.
  • Die Schienen sind Standard-Industrieschienen, die man von verschiedenen Herstellern auch langfristig beziehen kann. Sie sind sehr robust. Sollten sie dennoch mal beschädigt werden, kann man auch in einigen Jahren noch passende Ersatzteile beziehen und sie leicht ersetzen (laut Beiträgen im Nuggetforum ist das Schienensystem stabiler als ein Carport: das Holz ist abgesplittert, die Schienen blieben unbeschädigt. 🙂

Bei der Erstmontage ist das Schienensystem etwas teurer und etwas aufwändiger als ein Klebesystem. Aber spätestens bei der Erweiterung um ein zweites Modul ist das Schienensystem günstiger und man kann danach sofort losfahren.

Materialliste

Komponenten Menge Preis
einzeln
Preis
gesamt
Bemerkung
Solarmodul 100W monokristallin – amazon 1 95,99 95,99 macht einen minimal besseren Eindruck als die ebay-Variante
Laderegler Votronic MPP 250 Duo Digital 1 125,55 125,55 wird benötigt bei 2x 100W oder noch mehr, bis max. 250W
VOTRONIC Temperatur-Sensor 1 18,55 18,55 nicht unbedingt benötigt, verbessert aber die Ladeleistung, weil die Temperatur der Bordbatterie berücksichtigt wird.
Dachdurchführung für Kabel 2-fach schwarz, inkl. Kleber 1 18,00 18,00
Solarkabel 2x 4mm² – 7m in 2 einzelnen Leitungen rot + schwarz 1 19,85 19,85 Außendurchmesser 5mm, MC4-Stecker/-Kupplung an einem Ende
Anschlusskabel Laderegler -> Batterie mit Sicherung, 2,0m (Selbstbau aus Resten) 1 MPP 165 muss 15A haben. MPP 250 muss 20A haben.
Anschlusskabel Laderegler -> Batterie mit Sicherung, 2,0m – fix und fertig 1 17,95 17,95 Alternative – falls man dieses Kabel nicht selbst bauen kann/will
2200 mm Profil 8 40×16 eco 2 11,82 23,64 Grundträger
Abdeckkappe 8 40×16 grau 4 0,31 1,24 für Grundträger
Nutenstein 8, ohne Steg, M8 10 0,23 2,30 4 St. für die Grundträger, 2 St. Reserve, 4 St. für 1 Solarmodul
1200 mm Profil 8 40×40 Eco 2 11,53 23,06 für 1 Solarmodul
Abdeckkappe 8 40×40 grau 4 0,35 1,40 für 1 Solarmodul
Winkelsatz 8 40×40 ZN grau 4 3,14 12,56 für 1 Solarmodul
Nutenstein 8, mit Steg, M8 4 0,23 0,92 für 1 Solarmodul, als Reserve, falls die anderen Nutensteine irgendwo vergessen werden rein zu schieben
EPDM Zellkautschukband 40mmx2mm 1 11,00 11,00
Gesamtkosten 372,01 Euro (354,06 Euro bei Eigenbau Anschlusskabel Laderegler)
zzgl. eventuell anfallender Versandkosten
Anmerkung 1: In der Aufstellung fehlen noch ein paar Schrauben und Kleinteile. Sie kann also nicht als Rundum-Sorglos-Bausatz genutzt werden.
Anmerkung 2: Beim nächsten Mal würde ich die Schienen 17cm kürzer bestellen. Dann sind sie etwas günstiger und man spart sich das Absägen in Schritt 3.

Falls noch Fragen auftauchen, hinterlasse einen Kommentar. Ich reiche diese dann an den Fachmann weiter, falls ich sie nicht selbst beantworten kann.

  1. Marco Menti

    Hallo Uschi,
    Vielen Dank für die exzellente Anleitung! Ist das – wie auf anderen Beiträgen ersichtlich – ein Nugget mit Hochdach BJ bis 2013? Und welche 130wp Zelle hast Du als Zweitzelle verwendet? Gruss
    Marco

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